Lässig durch die Hose Gendern. 6 Impulse für geschlechtergerechte Sprache inklusive guter Atmo.

Lieber lässig durch die Hose gendern.

Liebe Alle,

 

Go Gendern! Ganz unverkrampft und lässig. Ohne „Oh Shit ist das jetzt formal correctamente?!“. Mit stink normalem Menschenverstand, mit kreativer Power und Spass an der Freude an der ganzen schönen Kommunikation. Unten stehen paar meiner Ideen und Gedanken zu einer Schreibe, die uns alle anspricht und nicht nur einbezieht sondern anzieht, weil sie sexy, modern und powervoll ist.

 

Muss Euch glaub nicht mehr erzählen, dass Sprache für mich mehr ist als ´n schnödes Transportmittel für Informationen: Ausdruck, Persönlichkeit, wunderbare Leidenschaft, manchmal eine Kunst und immer ´n Stück Kultur, jedenfalls unheimlich lebendig, ´ne Art Kleber zwischen uns Menschen - manchmal babbt er in Sekundenschnelle. Nicht das kleinste bisschen Bock hab ich drauf, dass Sprache unmodern, unpersönlich, steril, ausgrenzend oder in Richtung respektlos läuft.

 

Wer von Euch anderer Meinung ist, soll sich nach hessischer Manier locker machen und einfach mal mitgendern oder überzeugende Argumente dagegen anbringen – dann aber bütte nicht diejenigen Gegenargumente, die so ziemlich alle von uns schon kennen, das generische Maskulinum allem voran. Ich unterstelle wild, dass das liebe Maskulinum oft nicht bewusst in Bezug auf alle Geschlechter – also eben nicht generisch - benutzt wird, sondern so à la: „Ei, mir nehmen halt die männliche Form. Ham´mer doch immer so gemacht.

 

Hier 6 meiner – nennen wir´s mal Leit- und Inspirationslinien. Ich arbeite dabei mit weiblichen und männlichen Formen und meine damit alle Geschlechter. To be continued. Seid kreativ, ergänzt Eure eigenen Ideen. Feu mich drauf.


1. Happy Endings für Substantive

Lasst Substantive weiblich und männlich enden - Für mehr Substanz + Akzeptanz + mehr Feedback.

Ich tue das mit dem Binne-n“I“. Das fühlt sich für mich am besten an beim Schreiben und gefällt mir auch visuell im Schriftbild. Die Paarschreibweise funktioniert ebenfalls super.

 

Ich schreib also:

 

GewinnerIn // GewinnerInnen

 

KünstlerIn // KünstlerInnen

 

RockerIn // RockerInnen

 

GangsterIn // GangsterInnen

 

UmweltverschmutzerIn // UmweltverschmutzerInnen

 

AusbeuterIn // AusbeuterInnen

 

Übrigens: Manche sagen StudentInnen // Student*innen // Student_innen //...wäre falsch, weil das die männliche Plural-Endung „en“ nicht beinhaltet. Ich mache das aktuell trotzdem so und stelle auf Sinn und Zweck und Verständlichkeit ab: Jeder kapiert und sieht, dass alle gemeint sind und das ist in jedem Fall stärker als "Studenten".


2. Don´t touch: Nomen und Komposita.

Nomen und Komposita gendern bringt uns nicht mehr Gleichstellung und nicht mehr Bewusstsein, sondern mehr Schmunzler und  mehr - in dem Fall berechtigte - Gegenwehr.

Ich schreib also NICHT:

 

BürgerInnensteig

 

BürgermeisterInnenkandidatInnen

 

LehrerInnenzimmer

 

EinwohnerInnenmeldeamt

 

KundInnenpräsentation

 

Das kann ich nicht ernst nehmen. Da bin ich raus – und Ihr am besten auch, würde ich sagen. Sowas mache ich höchstens in Form von wortakrobatischen Spielereien - mit der „Wasserhenne“ zum Beispiel – und dann sehr gern. *Hehe*.


3. Folgt Eurem Kommunikationsgefühl: Keine "angestellten Personen" bütte.

Folgt Eurem Sprach- und Kommunikationsgefühl, besonders in Punkto geschlechtsneutrale Alternativen.

Geschlechtsneutrale Alternativen schnappe ich mir nur, wenn sie meiner Schreibe keinen unpersönlichen oder sterilen Sound geben. Es darf nicht unansprechend oder unattraktiv rüber kommen oder so, als würde ich keine Menschen meinen, sondern Sachen – damit mach ich nicht nur unsere irgendwie ja doch ganz schöne Sprache kaputt, sondern ich spreche auch nicht wirklich an, weder Damen, noch Herren, gar keine Geschlechterform. Also: Denkt nicht zu formalistisch. Gendert nach Gefühl, mit der Zielsetzung vor den Augen und mit stink normalem...Ihr wisst schon...Menschenverstand.

 

Paar Beispiele:

 

Lesende“ geht für mich nicht.

 

„Verfassende Person“ finde ich eine verdammt schlechte

Konstruktion und schmerzhafte Verstümmelung des

Wortes „AutorIn“.

 

Auch sag ich nicht „Personal“ oder „Arbeitnehmende“.

 

„Mitarbeitende“ finde ich grenzwertig, aber geht noch.

 

Bei „angestellten Personen“ stellen sich meine Nackenhäarchen

senkrecht, meine Tastatur explodiert, wenn ich sowas rein haue

und so würde ich meine MitarbeiterInnen nicht benennen.

 

Wo das geht, finde Ich die persönliche Ansprache super: "Ihr" oder "Euch" statt Mitarbeitende zum Beispiel.


4. Keine Gnade: Gender your Headline.

Seid erbarmungslos und konsequent.

Ich gendere im Sinn von 1. bis 6. bewusst und besonders in Headlines und Überschriften. Mit der Headline holen wir die Leute schließlich ab und beziehen sie ein. Manche UserInnen und LehrerInnen lesen erst mal ausschließlich alle Headlines – Ich selbst gehör´ zum Beispiel auch dazu.

 

Ja, die Headline wird dadurch länger. So ist das. Punkt.


5. Gendert frei und freigeistig.

Spielt einfach mit der Sprache. Seid kreativ. Habt Spaß dran.

Generell beim Gendern: Spielt einfach mit der Sprache. Bezieht nicht nur alle Menschen ein, sondern auch vielfältige Ideen. Nur so kann´s letztlich laufen - und leben.


6. Gleichstellung ist die Message. Raus damit auf die Straße.

Raus damit auf die Websites, in die Kommunikation, in die Welt, in die Köppe.

Wenn ich sehe, dass auf Websites und generell in Medien überhaupt nicht gegendert wird, frag ich nach, warum das so ist, einfach aus Neugierde.

 

Ein Hauptgrund: Ich hab selbst auch hin überlegt und her gedacht, ob ich gendere auf meiner Website, wie und weshalb. Zwischendrin war ich auf dem Stand: Ich gendere nicht, besonders weil´s aktuell für die Umsetzung keine Lösung gibt, die ehrlich rund ist. So what, dann entwickle ich halt eine Lösung. Work in Progress. Gendern in Progress *Zack*.

 

Noch ein Grund: Selbst und persönlich hab ich mich bisher durch die Sprache nicht direkt ausgeschlossen oder nicht angesprochen gefühlt. Jederzeit hätte ich mich zB. auf eine Stellenausschreibung „Pilot gesucht“ beworben. Das geht aber nicht allen so – und auch ich spüre den Unterschied zur Stellenausschreibung, die „PilotInnen“ sucht: offener, einladender, inspirierender, kreativer in der Atmo.

 

So far von mir zum Gendern in geschriebener Sprache. Nächstes: gesprochene Sprache, Mundwerken, Tonaufnahmen, Hörspiele. Ich übe schon mal den...Glotti...schlag. Übernächstes: Gendern in der Designsprache.

 

Apropos lebendige, inklusive Kommunikation: Sprecht, schreibt, kommentiert, gebt Laut zum Thema. Frei Schnauze. Go. Bleibt stark, trinkt Coffee! Eure Mel Gotsheim


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